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6. Die Einheit von Form und Inhalt

Das biblische Wort kann nicht nach Form und Inhalt auseinanderdividiert werden, so als ob etwa  das unveränderliche Wort Gottes als sogenannter Sachinhalt von seiner historischen Einkleidung abgesetzt werden könnte, oder die überzeitliche Botschaft aus ihrem zeitbedingten Rahmen herauslösbar wäre. Die Eigenart der biblischen Sprache gibt auch die Eigenart der biblischen Offenbarung wieder. Die Form ist daher weder beliebig noch austauschbar, sondern ergibt sich aus der Sache. Wer die Form preisgibt, verliert damit auch den Inhalt. Aussage und Aussageform, Sache und sprachlicher Ausdruck bilden in der Bibel eine unauflösliche Einheit. Worte und Begriffe der Bibel sind wohl formal der zeitgenössischen Umwelt entnommen, aber nicht allein von dieser aus zu verstehen.

Form und Inhalt werden im Blick auf die Herkunft der Schrift nicht unterschieden: Das Wort Gottes kommt in den Worten der Schrift.Alle Bestandteile der Schrift werden auf das Wirken Gottes zurückgeführt. Es ist nicht möglich, die Schrift in einen theologisch - ethischen (geistlichen) und einen historisch - naturwissenschaftlichen (natürlichen) Bestandteil zu zerlegen. Die Trennung von Bibeltext und Inhalt dieses Textes ist auch deshalb unberechtigt, weil sie der Heiligen Schrift selbst fremd ist und von der Willkür menschlicher Analyse, die ein authentisches Offenbarungswort herausdestillieren soll, abhängt. Die Bibel ist nicht nur Katalysator der Offenbarung, sondern göttliche Offenbarung selbst. Wenn die Bibel Offenbarung lediglich enthält, ist am Ende immer und unausweichlich das subjektive Wahrheits- und Glaubensverständnis des Auslegers die begründende und regulierende Norm und Autorität dessen, was zu glauben ist.